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Produzentenrente
4.1.4 Optimalität des Gleichgewichts
Staatliche Eingriffe
W

enn man die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente für die Wohlfahrt, die ein Markt der Gesellschaft vermittelt, heranzuziehen bereit ist, stellt das Marktgleichgewicht eine optimale Situation dar. Sie ist in dem Sinne optimal, dass sich bei keiner anderen Produktionsmenge eine in dieser Art und Weise gemessene höhere Wohlfahrt ergibt. Wenn es möglich wäre, die Produzenten und Konsumentenrente zu erhöhen, dann wäre es auch möglich, Marktteilnehmer besser zu stellen, ohne zugleich andere schlechter zu stellen. Das aber wäre eine Verbesserung nach dem Pareto-Kriterium, so dass der Ausgangszustand nicht pareto-optimal gewesen sein könnte.

Abbildung 1
Wenn eine - z.B. infolge staatlicher Administration - kleinere als die Gleichgewichtsmenge gehandelt, fallen Konsumenten- und Produzentenrente kleiner aus als auf einem funktionierenden Markt. Die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten pK liegt über den Grenzkosten des Angebots pA
Pareto-Kriterium
Bei Paretos (1848-1923) Kriterium handelt es sich um ein in der ökonomischen Theorie durchgehend akzeptiertes Werturteil zur Beurteilung gesellschaftlicher Zustände. Danach wird eine Veränderung als positiv angesehen, wenn sie die Situation wenigstens eines Wirtschaftssubjektes verbessert, ohne zugleich die Situation anderer zu verschlechtern. Veränderungen, durch die Wirtschaftssubjekte gewinnen, während andere verlieren, können mit dem Kriterium nicht beurteilt werden. (Reine) Umverteilungen entziehen sich damit von vornherein der Beurteilung nach diesem Kriterium, da dabei immer zumindest ein Wirtschaftssubjekt schlechter gestellt wird. Deswegen würde eine ausschließlich an diesem Kriterium orientierte Politik sehr konservativ sein (bzw. wäre gar nicht möglich, da praktische Wirtschaftspolitik in aller Regel nicht zu jedermanns Vorteil ist, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird). Ein Zustand heißt pareto-optimal, wenn eine Verbesserung nach dem Pareto-Kriterium nicht mehr möglich ist. Das Kriterium ist "verteilungsblind", da eine Situation, in der einer alles hat und alle anderen gar nichts haben, pareto-optimal ist. Andererseits werden sich die Gesellschaftsmitglieder, wenn sie frei von Neidgefühlen sind, wohl darauf verständigen können, Veränderungen, die das Kriterium erfüllen, gutzuheißen.

Im folgenden soll gezeigt werden, dass Verbesserungen der gesellschaftlichen Wohlfahrt herbeigeführt werden können, wenn Produktion und Konsum von der Gleichgewichtsmenge abweichen. Dazu sei angenommen, per Gesetz werde die Produktionsmenge xP vorgeschrieben, die Marktkräfte werden also außer Kraft gesetzt. Wie Abbildung 1 zeigt, kommt es durch die marktinkonforme Maßnahme zu Verlusten bei Konsumenten- und Produzentenrente. Dieser Verlust in Höhe des weißen Dreiecks zwischen Angebots- und Nachfragefunktion wird Allokations- oder Wohlfahrtsverlust genannt.

Die eigentliche Ursache für den Wohlfahrtsverlust liegt im Auseinanderfallen von Grenznutzen und Grenzkosten. Eine zusätzliche Einheit ließe sich zu Kosten in Höhe von pA herstellen, denn ein Anbieter wäre bereit, zu pA zu verkaufen. Etwas formaler könnte man auch argumentieren, dass die Angebotsfunktion die Grenzkosten anzeigt. 

Auf der anderen Marktseite findet sich ein Konsument mit einer Zahlungsbereitschaft in Höhe von pK. Die Zahlungsbereitschaft entspricht aber seinem Grenznutzen, so dass mit $ p_K > p_A$ gilt, dass der Grenznutzen über den Grenzkosten liegt. Sofern keine externen Effekte von Produktion und Konsum des Gutes ausgehen, stimmen diese privaten Grenznutzen und -kosten mit den gesellschaftlichen Grenznutzen und -kosten überein. Also lohnt es sich für die Gesellschaft eine weitere Einheit herzustellen.

Ganz plastisch kann man sich auch vorstellen, für den Konsumenten mit der Zahlungsbereitschaft pK im Unternehmen mit den Grenzkosten pA eine Einheit des Produktes herzustellen. Jeder beliebige Preis zwischen pK und pA läge unter der Zahlungsbereitschaft des Konsumenten und über den Grenzkosten des Unternehmens. Folglich würden beide durch den Handel gewinnen. Da durch dieses Geschäft aber niemand verlieren würde, läge eine Verbesserung nach dem Pareto-Kriterium vor. Ein Zwischenfazit kann somit lauten, dass die Produktion ausgeweitet werden sollte, wenn die gesellschaftlichen Grenzkosten unter dem gesellschaftlichen Grenznutzen liegen.

In Abbildung 2 wird die Situation betrachtet, dass die verordnete Produktion über der gleichgewichtigen Menge liegt. Die vorangegangen Überlegungen führen nun analog zu der Feststellung, dass die gesellschaftlichen Grenzkosten über dem gesellschaftlichen Grenznutzen liegen - wiederum ist natürlich unterstellt, dass die privaten und sozialen Kosten und Erträge jeweils übereinstimmen.  

Abbildung 2
Wenn eine gemessen am Marktgleichgewicht zu große Menge hergestellt wird, liegt die Zahlungsbereitschaft unter dem Preis, während die Grenzkosten darüber liegen. Daher kommt es zu negativen Renten.

Würde den Unternehmen die Produktion vorgeschrieben, dann würde, sofern die Produktion nur zu p* verkauft werden könnte, jede über die Gleichgewichtsmenge x* hinausgehende Einheit den Gewinn sinken lassen. Aus freien Stücken heraus wären die Unternehmen auch gar nicht zu dieser Produktion bereit, denn sie würden ihre Produktion ja nach der Preis-Grenzkosten-Regel planen.

Nun ist schwer vorstellbar, dass man die Konsumenten zum Konsum zwingen kann. Allerdings könnte man sie durch monetäre Anreize dazu bewegen. Die kleinste dazu erforderliche Summe (in einer Welt vollkommener Information und ohne Transaktionskosten) entspräche der negativen Konsumentenrente in Abbildung 2.

Fast schon wieder vergessen: Die Einführung des Euros - begleitet von eigenartigen politischen Forderungen: "Euro-Cops": Tatü, tata, die Preispolizei.

Würde man die angeordnete Produktion um eine Einheit vermindern, könnten die Grenzkosten in Höhe von pA eingespart werden. Ein Konsument mit der Zahlungsbereitschaft pK würde dann diese Einheit aber auch nicht mehr erhalten können. Die Kosteneinsparung ist aber mehr als ausreichend, um ihn für diesen Verzicht zu entschädigen. Also führt in dieser Situation eine Verminderung der Produktion zu einer paretianischen Wohlfahrtssteigerung.

Es ist also möglich, die Wohlfahrt (nach dem Pareto-Kriterium) zu erhöhen, wenn die Produktionsmenge von der Gleichgewichtsmenge abweicht. Bei  kleineren Mengen lässt eine Produktionsausweitung die gesellschaftliche Wohlfahrt steigen, bei größeren ist es von Vorteil, die Produktion zu vermindern.

Wird die Gleichgewichtsmenge produziert, befinden sich die Marktteilnehmer in einer pareto-optimalen Situation.

Dies ist ein starkes Argument, die Allokation von Gütern den Preismechanismus regeln zu lassen. Es ist allerdings aufgebaut auf der Annahme eines funktionierenden (Wettbewerbs)Marktes ohne externe Effekte.